Der Pädagoge Heinrich Pestalozzi (1746–1827)

Der Schweizer entwickelte wesentliche Grundlagen seines Faches

29.08.2008 Harald Rossa

Heinrich Pestalozzis pädagogische Grundsätze werden auch heute noch beachtet. Er hat vielen Pädagogen wichtige Anregungen auf den Weg gegeben.

Der Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi wollte „den Menschen stärken“ und dazu befähigen, „sich selbst helfen zu können“. Seine besondere Aufmerksamkeit widmete er der grundlegenden Bildung der Kinder. Die sollte nach seiner Auffassung schon vor der Schule in der Familie beginnen. Es sollten die intellektuellen, sittlichen und handwerklichen Fähigkeiten der Kinder umfassend gefördert werden.

Heute wird dies als ganzheitlicher Ansatz bezeichnet. Seine pädagogischen Auffassungen legte er 1801 in dem Werk „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“ erstmals systematisch dar. Die hatte er teilweise schon in der Armenanstalt Neuhof umgesetzt. Diesen Prinzipien folgte dann seine Arbeit im Waisenhaus Stans und in seinen Instituten in Burgdorf und Yverdon ab 1804.

Seine Publikationen wirken heute etwas altertümlich und pathetisch. Doch seine Gedanken sind für die moderne Pädagogik nach wie vor aktuell.

Leben und Werk von Heinrich Pestalozzi

Johann Heinrich Pestalozzi kam am 12. Januar 1746 in Zürich zur Welt. Er brach ein Studium der Theologie und Jurisprudenz ab. Er machte von 1767 bis 1768 eine landwirtschaftliche Lehre. Im September 1769 heiratete er Anna Schulthess. Er startete in Birr als Landwirt. Mit neuen Pflanzensorten und Düngemethoden wollte er ertragreiche Landwirtschaft demonstrieren. Doch der Erfolg stellte sich nicht ein.

1773/74 nahm Pestalozzi etwas 40 Kinder auf dem Landgut Neuhof auf. Pestalozzi führte sie in die Tätigkeiten Spinnen, Weben und Landbau ein. Die praktische Arbeit verband er mit einem Schulunterricht und sittlich-religiöser Erziehung. Sein Konzept war, dass die Anstalt sich durch den Verkauf der Textilprodukte selbst trug. Das war aber nicht zu realisieren. So türmte sich ein Schuldenberg auf. Die Anstalt musste er 1779 schließen.

Ab 1780 wandte sich Pestalozzi vorwiegend der Schriftstellerei zu. Sein Roman „Lienhard und Gertrud“ machte ihn weltberühmt. Weitere Werke aus dieser Zeit sind: „Die Abendstunde eines Einsiedlers“ von 1780, „Christoph und Else“ von 1782, „Gesetzgebung und Kindermord“ von 1783, „Ja oder Nein?“ von 1793, „Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts“ und „Fabeln“ von 1797.

In den Wirren der helvetischen Revolution stellte sich Pestalozzi nach dem Einmarsch der Franzosen im Jahr 1798 der neuen helvetischen Regierung zur Verfügung. Er wirkte als Redakteur für das „Helvetischen Volksblatt“ und leitete 1799 das Waisen- und Armenhaus in Stans. Dies gab ihm zum zweiten Mal die Gelegenheit, grundlegende pädagogische Erfahrungen zu sammeln. 1800 gründete er sein bekannt gewordenes Erziehungsinstitut im Schloss Burgdorf bei Bern. Hier entwickelte er eigene Unterrichts- und Erziehungsmethoden. Die erläuterte und begründete er in seinem Hauptwerk „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“.

1804 verlegte er das Institut nach Yverdon-les-Bains im Kanton Waadt. Dort entwickelte er mit seinen Mitarbeitern seine Methodik weiter. In Schriften wie „An die Unschuld, den Ernst und den Edelmut meines Zeitalters und meines Vaterlandes“ von 1815 und „Schwanengesang“ von 1825 publizierte er seine Erkenntnisse. Seine „Idee der Elementarbildung“ setzte auf eine naturgemäße Erziehung und Bildung, die die Kräfte und Anlagen des Kopfes, des Herzens und der Hand in Harmonie entfaltet.

Streitigkeiten um seine Nachfolge führten das Institut in Yverdon in den Konkurs. 1825 schloss Pestalozzi diese Anstalt und zog sich auf den Neuhof zurück. Dort starb er am 17. Februar 1827.

Auf seinem Grabstein steht: "Hier ruht Heinrich Pestalozzi, geb. in Zürich am 12. Jänner 1746, gest. in Brugg am 17. Hornung. Retter der Armen in Neuhof, Prediger des Volkes in Lienhard und Gertrud, in Stans Vater der Waisen, zu Burgdorf und Münchenbuchsee Gründer der neuen Volksschule. In Ifferten Erzieher der Menschheit. Mensch, Christ, Bürger; alles für andere, nichts für sich. Segen seinem Namen!"

Die Bedeutung von Heinrich Pestalozzi

Heinrich Pestalozzi wurde weithin beachtet. Johann Gottfried Herder hat ihn und sein Werk sehr geschätzt. Der deutsche Schulreformer Joseph Anton Sickinger entwickelte sein Mannheimer Schulsystem unter Beachtung der Ideen von Pestalozzi. Und bei Pestalozzi hat auch der Vorschulpädagoge Friedrich Fröbel entscheidende Anregungen erhalten.

Mehr Information über Heinrich Pestalozzi

Sehr ausführliche Informationen über den Pädagogen liefert der Verein "Pestalozzi im Internet".

Seine Werke sind als Gesamtausgabe verfügbar. „Pestalozzi. Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe“, begründet von Artur Buchenau; Eduard Spranger; Hans Stettbacher, Berlin/ Zürich 1927-1996.

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